Entlang der niederländischen Nordseeküste

Warft

Freitag 18.02.2022, das Sturmtief Zeynep fegt mit mehr als 166km/h über die gesamte Küstenlandschaft der Nordsee hinweg. Der Pegelstand in Emden zeigt 2,41 über normal. Das ist eine schwere Sturmflut, die die Küstnenlanschaft der Nordsee heimgesucht hat. Der Tag darauf zeigte besorgte Gesichter, der Sturm hat besonders auf den ost und westfriesischen Inseln, schwere Schäden hinterlassen. Der Küstenschutz muß an den Schutzeinrichtungen Reperaturarbeiten im größeren Umfang vornehmen. Borkum ist wieder ein Stück kleiner geworden, um diesen Verlauf zu verhindern, wird aus der Nordsee Sand aufgespült. Denken wir einmal viele Jahre zurück , da hätte solch ein Sturm vielen Menschen das Leben genommen. Sie hätten Haus, Hof und das Vieh verloren, die Grundlage für ihr Leben. Es waren die Chauken die um 3 v.Chr. das Land an der Nordsee besiedelt haben. Sie waren es die zu dieser Zeit, so nach römischen Aufschreibungen, mit dem Warftbau begonnen haben. Mit ihren Händen schichteten sie ein Gemisch von Lehm, Sand und Weißgras auf (das es heute nicht mehr gibt, aber so in der römischen Chronik des Pilinius geschrieben stand). Auch weitere Völker wie die Friesen schützten sich mit Warften vor dem hohen Wasser. Heute gehen noch viele Ortschaften in Ostfriesland auf diese Zeit der Warften zurück. Mit ihnen wurden die Warften größer und moderner. Es waren ganze Ansiedlungen, die sich kreisförmig um eine Warftkirche anortneten. Sternförmig führten schmale Wege zur Warftkirche.

Hoch oben auf der Warft die Kirche, die zu der Zeit nicht allein dem Gebet galt. Sie war Schutzraum bei Hochwasser und die Menschen zogen mit Hab und Gut in die Kirche , die zu der Zeit noch keine Bänke hatte . Diese wären nur im Weg gewesen, wenn die Mensch mit gepackten Karren Einzug hielten.

Im Kirchturm war nicht wie heute Glocken untergebracht. Es gab dort eine Glocke, die der Turmwächter schlug wenn Gefahr drohte. Über schmale Wege zogen dann die Menschen zur Kirche.

Über solch schmale Wege ging es zur Kirche , die aus allen Richtungen so angelgt waren.

Der wichtigste Teil solch einer Warft, war der Fethig ein Regenwasserbrunnen. Der gab Menschen und Tieren Trinkwasser, wenn sie wochenlang von Salzwasser umflutet waren.

Von diesen Warften oder auch unbesiedelte Kuhwarften, wo das Vieh bei Hochwasser lebte, gab es in der Provinc Groningen allein 1000 Rettungshügel. Heute gibt es nur noch sehr wenige , viele wurden wegen ihrer fruchtbaren Erde als Ackererde abgetragen. Aber auch durch Archiologen, die dort wertvolle Kunstgegenstände fanden, wurden die Warften abgetragen. Für den großen Rest sorgte die Indeustrie , die hier für sich Bauland in Anspruch nahm. Zurück blieben von einstigen Hügeldörfern mit ihrer langen Geschichte, nur noch ein paar Grabsteine.

Hier bei der erhobenen Hand, stand einst eine Kirche des Dorfes Oterdum. Ein Warftdorf, das einem Deich und der Industrie weichen mußte, über das es kaum noch etwas zu erzählen gibt .Weil Bagger den Lebesraum für Geschichten zerstört haben.

Eine ähnliche Zukunft droht dem Warftdorf Weiwert, durch das wir auf unserer letzten Radtour gefahren sind. Eine merkwürdige Anpflanzungen von Hecken ließ uns aufmerksam werden. Auf einer Leiter an einem Apfelbau angeleht, pflückte ein älterer Herr Äpfel . Ihn fragte ich nach diesen Heckenanpflungungen, mit zwei Äpfeln in der Hand und einer traurigen Geschichte kam er zu uns. Es dauerte nicht lange und es kamen zwei weitere Männer zu uns ( die sich nicht fotografieren lassen wollten, aber sehr nett waren) Sie erzählten uns mit Tränen in den Augen, die Geschichte ihrer Warft. Sie waren die letzten Drei, die unverbittert gegen Stadt und Industrie kämpften. Alle anderen hatten sich schon dem Geld der Industrie gebeugt auch die Kirche hat auf Kultturerbe verzichtet und hat das Geld der Industrie genommen. Nach und nach wurde Kirche und Häuser abgerissen und die letzten Drei harrten aus . Ihre Situation Wasserversorgung ,Strom und anderes verschlechterte sich immer mehr, sie mußten sich im Kampf um ihre Heimat geschlagen geben. Vertraglich sicherte man ihnen zu, das diese Heckenanpflanzung die den Grundriss der Warft zeigt stehen bleibt , so lange sie leben. Danach wird eine weitere Wartf nur noch im Kopf einiger weniger sein. Das Schulhaus die Gräber der Familie sind dann nur noch eine traurige Gesichte.

Mit gesenktem Kopf steht unser Erzähler und Apflspender vor dem Grundriss seiner Warft.

Auf einer Steinplatte ist der Grundriss des Dorf zu sehen ist, hier zeigt er uns wo er gewohnt hat.

Er zeigt uns die Gräber seiner Eltern

Er weiß aber auch ganz genau, dass die Tage dieser idyllischen Grünanlage, die sein Dorf zeigt gezählt sind.

Denn hinter den Zäunen warten schon die Bagger, die weiteres Bauland für die wachsende Industrieanlage schaffen. Es geht wieder eine Stück Kulturerbe den Bach runter.

Die Industrie wird ein Stück Heimat unter ihren dampfenden Anlagen begraben und für immer schweigen lassen . Ich habe aufmerksam zugehört über die Geschichte , die die letzten Warfbewohner uns erzählt haben.

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