Versunkenes Land

Immer wieder zieht es mich auf die „Hamburger Hallig“. Ganz besonders am Anfang eines Jahres, wenn dort noch wenig Besucher sind .  Zu dieser Zeit, gehört die Hallig  den Vögeln und einigen Naturbeobachtern fast allein. Jetzt sind noch die Vögel zu beobachten, die ihr Winterquatier auf der Hallig haben.  Rast und Durchzügler die ihre Brutgebiete in ganz anderen Regionen haben, legen häufig auf der Insel eine Pause ein. Die ersten Heimkehrer , die ihre  Brutplätze  in den Salzwiesen haben, sind jetzt auch schon zu beobachten. Es ist  eine der lebhaftesten und interessantesten Jahreszeit auf der Hallig, was die Naturbeobachtung betrifft. Wo liegt sie aber nun und was hat die Hallig mit Hamburg zutun? Eine Frage, die mir immer wieder  gestellt wird. Häufig ist diese Insel den Menschen, mit denen ich mich darüber unterhalte nicht bekannt . Es ist halt keine Insel auf der man seinen Urlaub verbringt, sie ist in dieser Zeit auch unbewohnt. Weit im Nordwesten von Schleswig-Holsten, schon fast an der dänischen Grenze, beim Ort Reußenköge liegt nun diese Hallig. Ihren  Namen verdankt sie den beiden Hamburger Kaufleuten  Rudolf und Arnold Amsinck. Das Brüderpaar erwarb 1624, im äußerst nordöstlichen Zipfel des Vorland der sagenumwobenen „Insel Strand“ das „Deichrecht“. Durch Eindeichen entstand Amsinck-Koog“, auf dessen Grund sie das „Hamburger Haus „ errichtet haben. Immer wieder wurde der Koog, im Laufe der Jahre von heftigen Stürmen und Fluten beschädigt. Im Jahr 1634 kam es dann zur legendärenBruchardiflut“, 8000 -12000 Menschen dazu 50000 Tiere  verloren in dieser Sturmnacht vom 11. auf der 12 Oktober ihr Leben. Mit ihnen versank  die gesamte Insel Strand. Von der eins so großen Insel, sind heute die Halbinsel Nordstrand, Pellworm, so wie die Hallig Nordstrandischmoor übrig geblieben . Noch heute suchen bei Niedrigwasser  Archäologen, nach Überbleibsel der eins so großen Insel. Auch Amsinck Koog wurde von dieser verheernden Flut heimgesucht und zerstört. Das  Einzige was von Amsinck Koog  übring geblieben ist , die heutige  Warft und das „Hamburger Haus“. Diese kleine Erhebung, wurde in der Sturmnacht für viele Menschen zur Rettungsinsel. Heute ist die Hallig eine Halbinsel, 1885 wurde sie durch ein Damm mit dem Festland verbunden. Seit dem Jahr 1902 führt ein befahrbarer Weg, vom Festland bis zur Hauptwarft. Die Hallig besteht  aus drei Warften, der Hauptwarft, den beiden kleinen unbewohnten Warften Schafsberg und Kuhberg. Das Areal recht und links neben dem Damm, versandete im Laufe der Zeit immer mehr und wurde Heimat von vielen Vögeln. Heute ist es eines der bedeutensten Vogelschutzgebiet im Wattenmeer und zählt zum Weltnaturerbe .

Die Hauptwarft:( rechts im Hintergrund) Sie trägt keinen eigenen Namen. Auf ihr ist das Restaurant (erst ab April geöffnet) und einige Werkstätten. Hier zieht es die meisten Besucher hin, die das Lokal besuchen oder am Halligstrand baden möchten.

 

Der Kuhberg: Die kleine unbewohnte Warft,  dient den Schafen als Rettungsinsel bei “ leichtem Landunter“ .

Der Schafberg: Auf halber Strecke zwischen Hauptwarf und Amsink-Haus, nach ca 2km liegt der Schafberg . Auf der Warft steht die NABU-Station Claus-Rietmann. Das Haus verfügt über zwei Schlafplätze, einer Küche, WC und Dusche. Leute mit ornithologischen Kenntnissen, können per Anmeldung  hier einen Freiwilligendienst leisten.

Das Amsinck Haus: Direkt an der Einfahrt zur Hallig, steht das Informations und Servicezentrum. In einer Ausstellung erfährt man alles über die Hallig.  Es gibt  Infos zu Rad und Wandertouren, man hat auch hier die  Möglichkeit ein Fahrrad zu mieten, um damit auf die Hallig zu fahren . Dem Wohnmobilisten stehen hier WC, Dusche, V+E und eine Waschmaschine zur Verfügung.

Die Weisswangengans: (Branta leucopsis) Sie ist wohl der häufigste Wintergast auf der Halbinsel, jährlich überwintern 30000 dieser Gänse auf der Hallig. Das eigentliche Brutgebiet dieser Gänse liegt in Grönland bzw Spitzbergen. In den letzten Jahren hat sich Gans häufig ihre Brutgebiete an der Noredsee gesucht. Dazu zählt auch die Hamburger Hallig. Die meisten Gänse dieser Art, konnte ich im Jahr 2017 am Dollart beobachten . Dort waren es auch über den Sommer ca 150 000 Gänse, die somit für die Landwirtschaft zu einem Problem geworden ist.

Die Ringelgans: ( Branta bernicla)  ist ein typischer Wintergast auf der Hallig. Nicht so häufig wie die Weisswangengans aber auch in einigen Trupps zu beobachten.

In meinem nächsten Beitrag werde ich über die Vögel berichten, die in den Salzwiesen der Hallig ihre Brutgebiete haben.

                             Die Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Mein Stellplatztipp: N54°36`55″ E 8°52`15″ Ein Platz der besonders früh im Jahr Ruhe und  Natur pur bietet .  Man sollte sich aber im Vorfeld mit allen was man zum täglichen Leben benötigt eindecken . Wer den Lidl direkt um die Ecke sucht, wird enttäuscht sein. Sonst hat der Platz aber alles was der WoMo-Fahrer braucht . Bis auf die  Chemie WC -Entsorgung gibt es alles , WC, Duschen Waschmaschine ,Strom und V+E. Wer etwas weiter hinten auf dem Platz steht, braucht ein etwas längeres Stromkabel.

37 Kommentare zu „Versunkenes Land“

  1. Die Hamburger Hallig wäre auch jetzt mit deinem neuen EBike, ein ideales Urlaubsziel. Ich kenne sie schon sehr
    viele Jahre, leider hat sie durch den neuen Pächter etwas von ihrer Ursprünglichkeit verloren. Füher wanderte man
    mit dem Rucksack auf dem Rücken zur alten Meierei, holte sich dort ein Glas Milch und hat dazu seine mitgebrachte
    Stulle gegessen. Heute fahren Leute mit dem Auto zur gleichen Stelle und esssen beim Sternekoch. Das Umland und
    die Tierwelt ist so geblieben wie es war, ruhig und erholsam.

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  2. Das waren zwei ereignisreiche Wochen, von denen ich nicht eine Minute missen möchte.
    Mich freut es, dass ich dir die HH-Hallig etwas näher bringen konnte.Wie du sicherlich
    gelesen hast, bist du nicht die Einzige die diese Hallig nicht kannte. Genau weil es eine
    solch spannende und erlebnisreiche Insel ist, habe ich mich auch gleich wieder für nächste
    Jahr angemeldet.
    LG und einen schönen Sonntag

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  3. Lieber Werner,
    daß war jetzt sehr interessant für mich zu lesen, weil auch ich darüber nichts wußte, welch ein herrliches Fleckchen Erde! Stell ich mir herrlich vor, dort längere Zeit zu verweilen, so eins mit der Natur, mit dem Meer, schön!
    Deine Bilder haben den Bericht so gut ergänzt!
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße
    Monika.

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  4. Für mich ist die HH -Hallig ein einmaliges Stück Land .Obwohl es dort sehr einsam ist, steckt die Halbinsel voller Leben . Selten gibt es solch eine Vielfalt an Vögeln zu beobachten wie dort .

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  5. Ich hatte noch nie von dieses Stückchen Deutschland und seine Geschichte gehört und mit deine bezaubernde Bilder hast du wieder bestätigt wie schön unsere Welt ist.

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  6. Hallo Michèle,
    erts einmal vielen Dank für deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
    Die Sorgenfalten der Bauern werden grad am Dollart immer tiefer. Es werden jährlich
    immer mehr Weisswangengänse, die ihr Brutgebiet von Spitzbergen bzw Grönland an die
    Nordsee verlegen haben. Als Wintergäste waren sie auch in großer Anzahl kein Problem
    für die Landwirtschaft. Spätestens im März haben sie die Regionen an der Nordsee wieder
    verlassen. Jetzt bilden sie nicht nur für die Landwirte, deren Saatgut sie abfressen ein
    großes Problem. Es ist auch die Viehwirtschaft, die unter dem großen Vorkommen zu leiden
    hat. Die Weideflächen und Wiesen werden von den Gänsen derartig stark verkotet, dass ein
    Auftrieb auf diese Flächen kaum noch möglich ist. Was die Bauern aber noch härter triff, sie
    können von den derartig stark verunreinigten Wiesen kein Winterfutter fürs Vieh schneiden.
    Dazu kam im letzten Sommer auch noch der fehlende Regen und die Trockenheit. Mit dem Regen-
    fall hätten die Weideflächen eventuell sauber gespült werden können . So blieb für den Winter
    nur der Zukauf von Winterfutter und die Reduzierung des Viehbestand. Die Gänse lassen sich auch nicht
    mehr durch Vogelscheuchen oder Knallanlagen vertreiben. Die Bauern an der Nordsee, haben ein echtes
    Weisswangengans-Problem.
    Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende,liebe Grüße
    Werner

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  7. Hallo Werner,
    ich las eben in den Kommentaren, dass du ganze zwei Wochen auf dieser Hallig verbracht hast. Beneidenswert! Ich freue mich sehr, dass du von diesem Aufenthalt und deinen Beobachtungen dort berichtest und weiter erzählen bzw. noch mehr dazu zeigen wirst!
    Mir hat es wieder sehr gefallen, Informationen zunächst zur Hallig selbst, dann aber natürlich auch zu den rastenden Vögeln zu erhalten. Was ich überhaupt nicht wusste, ist, dass die Weißwangengans (zumindest zu bestimmten Zeiten) offenbar relativ häufig bei uns anzutreffen ist. Du erwähnst deine Beobachtung am Dollart – kein Wunder, dass die Bauern in dem Fall Sorgenfalten bekommen … Hübsche Tiere sind es. Das Gefieder ist wunderschön!
    Ich bin schon gespannt auf weitere Teile deiner Hallig-Reihe!

    LG Michèle

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  8. Ich möchte sie mit nichts auf der Welt tauschen.Ich bin ja nun sehr häufig, in Sachen Naturbeobachtung in vielen
    Regionen Europas unterwegs. Die Zeit auf der HH-Hallig ist und bleibt für mich immer etwas besonderes. Sie
    wird auch immer ein fester Bestandsteil meiner Reisepläne bleiben.

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  9. Heute hat sich das leider alles etwas verändert, was besonders für den Sommer spricht. Seit ein Sternekoch das Resataurant übernommen hat, ist dort mehr Publikumsverkehr. Das Lokal ist aber erst ab April geöffnet. Auf der Strecke und im Bereich der Wiesen ist es aber immer noch sehr ruhig.

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  10. Das ist wirklich sehr spannend! Vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Die Gänse sind so schön. Solche Arten habe ich noch nie gesehen. Das ist sicherlich eine besondere Atmosphäre und eine besondere Zeit, die man dort in der Natur verbringen kann.

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  11. Gern geschehen, lieber Werner. 🙂 Und auch wenn ich geschrieben habe, dass ich Halligen vom Lesen darueber und aus Berichten kenne, so war mir diese Hallig dennoch „Neuland“.

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  12. Es ist schon recht merkwürdig, dass so wenige Menschen diese Hallig kennen . Sie liegt ja nun mal knapp an deinen Landesgrenzen und wie du ja selbst schreibst hast, bist du schon häufig an ihr vorbei gefahren. Vielleicht ist es auch genau das, was den besonderen Reiz dieser Hallig ausmacht.

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  13. Vielen Dank Pit . Es freut mich, dass ich dir mit meinem Beitrag noch etwas mehr über die Hallig vermittel konnte. Hab ein erholsames Wochenende Gruß Werner

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  14. Es ist ein ganz besonderer Fleck, der mich immer wieder anlockt.Es vergeht kein Jahr, ohne ein ein Besuch auf der Hallig.
    Ganz besonder im Frühjahr ist es ein wahres Paradies . Es gibt Tage, da siehst du nicht ein Mensch. Sowas
    muß man aber mögen, sonst fällt einem der Himmel auf dem Kopf.
    LG Werner

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  15. Halligen! Ach ja, viel darueber gehoert, gelesen und gesehen, aber nie selber auf einer gewesen. Umso mehr ein grosses Dankeschoen, lieber Werner, fuer diesen aufschlussreichen Artikel und die schoenen Bilder! 🙂
    Hab’s fein,
    Pit

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  16. Das scheint ja ein kleines Paradis zu sein, noch dazu eines, das nicht so bekannt ist.
    Ich mag gerne glauben, dass du dort eine schöne Zeit verbracht hast und dass es dir nicht langweilig geworden ist!
    Viele Grüsse
    Christa

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  17. Liebe Ruth, ich habe die HH-Hallig schon sehr häufig besucht und viele Stunden mit einheimischen Beobachtern verbracht. Sie haben mir sehr viel über ihr einheimisches Revier erzählt. Auch der Vogelwart der Hallig, hat mir einiges an Wissen vermittelt. Es ist aber auch die Ausstellung im Amsinck-Haus, die über die Geschichte der Hallig erzählt. Die gesamte Region ist für naturverbundene Menschen eine wahres Paradies. LG Werner

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  18. Hallo Werner,
    vielen Dank für diesen langen, ausführlichen Bericht. Wer weiß dieses schon? Da hast du sicher lange und gut recherchiert, und nun dürfen wir davon profitieren.
    Ich kenne leider nur Hallig Hooge, doch finde ich diese ganze Gegend einfach s c h ö n !
    LG Ruth

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  19. Diese Ruhe ist nicht nur auf den Fotos zu sehen, sie ist dort in jedem Winkel zugegen
    und zu spüren. Ich kann nur jedem stressgeplagten Menschen diesen Ort, zu dieser Zeit empfehlen.
    LG und ein schönes Wochenende
    Werner

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  20. Ich habe diese 14 Tage in der absoluten Ruhe in vollen Zügen genossen.
    Trotz dieser Abgeschiedenheit, kam nicht eine Minute Langeweile auf.
    LG und ein erholsames Wochenende
    Werner

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